{"id":380,"date":"2019-12-05T12:13:22","date_gmt":"2019-12-05T11:13:22","guid":{"rendered":"http:\/\/khw-meerbusch.de\/?p=380"},"modified":"2019-12-05T13:52:14","modified_gmt":"2019-12-05T12:52:14","slug":"handelsblatt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/khw-meerbusch.de\/en\/handelsblatt\/","title":{"rendered":"Handelsblatt"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Handelsblatt<br>Ausgabe 18.05.2005 \/ Nr. 94\/20<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Hohe Risikobereitschaft und kurze Wege<br>Familienunternehmen wie KHW mit der Spezialisierung im Gro\u00dfanlagenbau haben ihre Marktl\u00fccke gefunden<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ruth Vierbuchen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Meerbusch. Karl-Heinz W\u00f6llner, gesch\u00e4ftsf\u00fchrender Gesellschafter der KHW-Gruppe, ist heute noch beeindruckt von der Professionalit\u00e4t seiner chinesischen Gesch\u00e4ftspartner. Der Mittelst\u00e4ndler aus Meerbusch bei D\u00fcsseldorf hatte der chinesischen &#8220;Handan Iron and Steel Group&#8221; den gebrauchten Hochofen 3 im Dortmunder Stadtteil H\u00f6rde verkauft. &#8220;Wir hatten den Chinesen einen kompletten Satz Zeichnungen \u00fcber die Anlage zugeschickt&#8221;, erinnert sich W\u00f6llner. &#8220;Das waren Zehntausende von Kopien&#8221;. Sie dienten als Grundlage f\u00fcr die Demontage des 1965 gebauten Hochofens der ThyssenKrupp Stahl AG. Etwa zwei bis drei Wochen hatten die Leute von Handan Steel Zeit, das Material zu sichten. Beim Treffen im KHW-Haus in Meerbusch sagte Handan-Pr\u00e4sident Li Liu freundlich aber bestimmt: &#8220;Es fehlen 15 Zeichnungen.&#8221;<br>Zun\u00e4chst herrschte Verbl\u00fcffung. Doch dann r\u00e4umten die Vertreter von ThyssenKrupp ein, dass es im Archiv der Hoesch AG, fr\u00fcher Eigent\u00fcmerin des Hochofens und 1992 von Krupp \u00fcbernommen, einen Wasserschaden gegeben habe. Dabei seien die Zeichnungen so unleserlich geworden, dass eine Kopie nicht mehr angefertigt werden konnte. &#8220;Wir k\u00f6nnen die Zeichnungen lesen&#8221;, gab Pr\u00e4sident Liu selbstbewusst zur\u00fcck. Und W\u00f6llner best\u00e4tigte: &#8220;Die Chinesen haben die Pl\u00e4ne in den besten Zustand versetzt.&#8221;<br>In der Welt des Stahles hat KHW einen Seltenheitswert, wie es der promovierte Betriebswirt unkonventionell beschreibt: &#8220;Es gibt in diesem Bereich nicht so viele Spezialisten wie uns.&#8221; 1964 hatte W\u00f6llner die KHW-Gruppe gegr\u00fcndet &#8211; die Abk\u00fcrzung steht schlicht f\u00fcr &#8220;Karl-Heinz W\u00f6llner&#8221;. Erfahrungen hatte er bei der Hugo Stinnes oHG in M\u00fclheim und bei Mannesmannr\u00f6hren in D\u00fcsseldorf gesammelt und sp\u00e4ter in der Gesch\u00e4ftsleitung der Carborundum Schleifmittelwerke in D\u00fcsseldorf, Spezialist f\u00fcr Oberfl\u00e4schentechnik. Diese ist der wesentliche Faktor bei der Erstellung von Stahl f\u00fcr Autos, chirurgische Werkzeuge oder Stahlteilen, die in den menschlichen K\u00f6rper implantiert werden.<br>Gerade in seiner Beziehung zu Carborundum sieht W\u00f6llner den Schl\u00fcssel seines Erfolgs: &#8220;Wir sind durch die Werksvertretung von Carvorundum Schleifanlagen in allen Stahlunternehmen t\u00e4tig, in denen Edelstahl und Qualit\u00e4tsstahl hergestellt werden.&#8221; Kontakte und fundiertes Wissen quer durch die Branche \u00fcber Neuheuten \u00f6ffnen dem Familienunternehmen so manche T\u00fcr.<br>Als Mittelst\u00e4ndler m\u00fcsse man ein Spezialgebiet mitbringen, das ihn interessante mache, urteilt Klaus Gottwald, Referent der Arbeitsgemeinschaft Gro\u00dfanlagenbau im VDMA. Die Bereitschaft, wie in W\u00f6llners Fall, der Stahlindustrie bei ihrer Globalisierungsstrategie nach Europa, Nordamerika, China und Brasilien zu folgen, hat zweifellos zur Sicherung seiner Existenz beigetragen. Viele Mittelst\u00e4ndler w\u00fcrden sich auf regional begrenzte M\u00e4rkte beschr\u00e4nken, moniert Gottwald. Und das f\u00fchre h\u00e4ufig zu Problemen.<br>W\u00f6llners Familienunternehmen mit etwa 60 bis 70 Mill. Euro Umsatz &#8211; je nach Auftragslage &#8211; und 55 Mitarbeitern vermarktet Industrieanlagen samt Engineering, Finanzierungshilfen, Beratung Kundenbetreuung &#8211; und eben auch stillgelegte Industrieanlagen der Stahlindustrie. Solche tonnenschweren Anlagen mit Spezialkr\u00e4nen abzubauen und Spezialfahrzeugen zu transportieren erfordert ein ganz besonderes Wissen, konzediert VDMA-Experte Gottwald: &#8220;Das Know-how und Flexibilit\u00e4t spielen eine gro\u00dfe Rolle.<br>Eine gro\u00dfe Risikobereitschaft geh\u00f6rt ebenfalls dazu. So auch als W\u00f6llner 2002\/2003 &#8211; weiderum f\u00fcr ThyssenKrupp Stahl &#8211; eine 5-ger\u00fcstige Tandem-Kaltbandstra\u00dfe sowie ein Nachwalzwerk und eine Beize, die bisher in Duisburg und Bochum in Betrieb waren, an die Megasteel in Malaysia vermittelte. Den passenden K\u00e4ufer f\u00fcr ein gebrauchte Anlage zu finden, ist ein immenser Aufwand. &#8220;Eine solche Anlage kann nur jemand kaufen, der schon eine Vorstufe besitzt&#8221;, erkl\u00e4rt W\u00f6llner, &#8221; und den muss man kennen.&#8221;<br>Megasteel produzierte bis dato nur Warmband und transportierte die Warmbandcoils nach Indonesien, um sie zu Kaltband weiterzuverarbeiten. &#8221; Der Markt f\u00fcr solche Anlagen ist sehr diffizil und erfordert viel Fingerspitzengef\u00fchl bei der Akquise&#8221;, wei\u00df der Familienunternehmer. &#8220;Es ist schon eine schwierige Aufgabe, das weltweit gr\u00f6\u00dfte Kaltwalzwerk zu verkaufen.&#8221;<br>Viele h\u00e4ngt am Detail. So muss der Verk\u00e4ufer auf die passenden Firmen im internationalen Markt zugehen und sie davon \u00fcberzeugen, dass sie eine Ausweitung ihrer Anlagen ben\u00f6tigen. Acht Mal musste W\u00f6llner &#8211; auf eigene Rechnung nat\u00fcrlich &#8211; nach Kuala Lumpur reisen, bis er den Verkauf unter Dach und Fach hatte. W\u00e4re der Deal geplatzt, w\u00e4re KHW auf betr\u00e4chtlichen Kosten sitzen geblieben.<br>Mittelst\u00e4ndische Anlagenbauen fahren hier ein unglaich h\u00f6heres Risiki als Gro\u00dfunternehmen, wie etwa Lurgi oder voestalpine, die zahlreiche Projetkte gleichzeitig laufen haben. Es fehle die Risikobetreuung, gibt Gottwald zu bedenken.<br>Doch die Bereitschaft des Mittelst\u00e4ndlers, die teure Vorbereitungsphase erst einmal &#8220;auf die eigene Kappe zu nehmen&#8221;, wie W\u00f6llner es ausdr\u00fcckt, bietet im Wettstreit mit den Gro\u00dfen auch Vorteile.<br>Die Entscheidungswege sind kurz. &#8220;Diese Flexibilit\u00e4t braucht man f\u00fcr diesen Markt&#8221;, so W\u00f6llner, &#8220;das macht uns interessant gegen die schwerf\u00e4lligen Gro\u00dfunternehmen.&#8221; Aber das hei\u00dft auch, dass KHW von der Person W\u00f6llners und dessen Referenzen im Markt lebt. So zeigt sich Gro\u00dfkunde ThyssenKrupp Stahl mit der reibungslosen Organisation des Abbaus und der logistischen Abwicklung der Projekte zufrieden und bewertet die langj\u00e4hrige Zusammenarbeit als sehr positiv, wie ein Sprecher best\u00e4tigte.<br>&#8220;Ich h\u00e4tte die Anlage noch zweimal verkaufen k\u00f6nnen&#8221;, berichtet W\u00f6llner. Das Angebot gebrauchter Stahlwerke ist knapp. Deshalb empfindet er es auch als Drama, dass er f\u00fcr ein Edelstahlwerk der franz\u00f6sischen Arcelor zwar zwei Kunden aus China an der Hand hat, die aber keine Einfuhrgenehmigung erhalten, weil sich die chinesische Stahlindustrie auf Grund politoscher Vorgaben zun\u00e4chst konsolidieren soll.<br><br><br><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>HandelsblattAusgabe 18.05.2005 \/ Nr. 94\/20 Hohe Risikobereitschaft und kurze WegeFamilienunternehmen wie KHW mit der Spezialisierung im Gro\u00dfanlagenbau haben ihre Marktl\u00fccke gefunden Ruth Vierbuchen Meerbusch. Karl-Heinz W\u00f6llner, gesch\u00e4ftsf\u00fchrender Gesellschafter der KHW-Gruppe, ist heute noch beeindruckt von der Professionalit\u00e4t seiner chinesischen Gesch\u00e4ftspartner. 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